1. Wie funktioniert Strom überhaupt? (Das Wasser-Modell)
Um 230V sicher zu verkabeln, hilft ein einfacher Vergleich: Stell dir Strom wie Wasser in einem Kreislauf vor.
- Spannung (Volt - V): Das ist der Wasserdruck. Deine Batterie hat 12V (wenig Druck), Landstrom hat 230V (enormer Druck). Je höher der Druck, desto gefährlicher wird es, wenn ein Rohr platzt (bzw. du ein Kabel anfasst).
- Stromstärke (Ampere - A): Das ist die Wassermenge, die durchs Rohr fließt. Ein Wasserkocher zieht viel Strom (z.B. 10 Ampere), eine LED-Lampe sehr wenig.
- Leistung (Watt - W): Das ist die Kraft (Volt x Ampere), die am Ende herauskommt. (z.B. 230V * 10A = 2300 Watt).
- Kabelquerschnitt (mm²): Das ist der Durchmesser des Rohrs. Je mehr Wasser (Ampere) fließen soll, desto dicker muss das Rohr (Kabel) sein, sonst baut sich Reibung (Hitze) auf und das Kabel brennt durch. Wir nutzen deshalb für die Hauptleitung 2,5 mm² dicke Kabel.
Gleichstrom (12V) vs. Wechselstrom (230V)
Deine Autobatterie liefert 12V Gleichstrom (DC). Hier fließen die Teilchen (Elektronen) immer konstant in eine Richtung. Fun Fact: Physikalisch betrachtet fließen sie vom Minuspol zum Pluspol! (Die Pfeile in 12V-Schaltplänen zeigen meist die alte historische "technische Stromrichtung" von Plus nach Minus, bevor man Elektronen überhaupt entdeckt hatte). Ein Kontakt mit 12V ist für den Menschen beim Anfassen harmlos, da der "Druck" (die Spannung) viel zu gering ist, um den natürlichen Widerstand der menschlichen Haut zu überwinden.
Der Landstrom auf dem Campingplatz ist 230V Wechselstrom (AC). Hier fließt der Strom nicht in eine Richtung, sondern die Elektronen schwingen 50 Mal pro Sekunde hin und her (50 Hz) - wie Ebbe und Flut in rasender Geschwindigkeit. Dieser hohe "Druck" kann bei Körperkontakt sofort tödlich sein!
Die 3 Kabel und ihre Aufgaben (H07RN-F)
In unserem 230V-Landstromkabel (Typ H07RN-F 3G2,5) befinden sich unter der schwarzen Gummihülle drei farbige Kupferadern:
Nein! Ein Stromkreislauf braucht zwingend immer einen echten "Kreis", sonst bewegt sich kein einziges Elektron. Stell dir den Stromkreis (L und N) wie ein ringförmiges Seil vor. Das braune Kabel (L) ist wie eine Maschine, die das Seil festhält: 50-mal pro Sekunde reißt sie das Seil zu sich heran, 50-mal pro Sekunde drückt sie es von sich weg. Das blaue Kabel (N) ist einfach nur der Rest von diesem Seil-Kreis. Es macht das Drücken und Ziehen in der Endlosschleife auf der anderen Seite des Geräts passiv mit.
- L (Außenleiter / Phase) - Das braune oder schwarze Kabel.
Das ist das "aktive" Kabel, in dem die Kraft entsteht (die reißende und drückende Maschine). Hier liegen die tödlichen 230V an. Die Phase (L) drückt die Elektronen im rasanten Wechsel durch dein Gerät (z.B. den Wasserkocher) in den Kreislauf hinein und saugt sie wieder heraus. Weil alle Kraft und Arbeitsspannung von hier ausgehen: Niemals berühren! - N (Neutralleiter) - Das blaue Kabel.
Das ist das Gegenstück für den Kreislauf (der passive Rest vom Seil), das beim Drücken und Ziehen notwendig ist. Ohne dieses Kabel wäre der Kreis offen und Phase L kann nicht arbeiten (dein Gerät bleibt aus). Theoretisch hat das blaue Kabel keine eigene Spannung (0 Volt gegenüber dem Erdboden). ABER: Auf manchen Campingplätzen wurden die Kabel am Platz falsch aufgelegt, sodass L und N vertauscht sind! Verlasse dich also niemals blind darauf, dass Blau wirklich ungefährlich ist. - PE (Schutzleiter / Erde) - Das grün-gelbe Kabel.
Das ist dein absoluter Lebensretter (die "Notentwässerung"). Im Normalbetrieb ist dieses Kabel "tot" und trägt 0 Strom. Der Schutzleiter wird immer an Metallgehäuse von Geräten (z.B. Kühlschrank-Gehäuse) und an die Camper-Blechkarosserie angeschlossen.
Was passiert bei einem Fehler? Stell dir vor, im Kühlschrank scheuert das braune Kabel (L) durch und berührt das Metallgehäuse. Das komplett Gehäuse steht nun unter 230V! Fassst du es jetzt an, fließt der Strom durch DICH in den Boden (Tod). Besser: Mit einem PE-Leiter fließt der gefährliche Strom sofort über das grün-gelbe Kabel und die Camper-Karosse ab. Dieser massive Fehl-Stromschlag in den "Abfluss" führt dazu, dass die Sicherung in Millisekunden auslöst und den Strom abschaltet, *bevor* jemand zu Schaden kommt.
1b. Wie uns der FI/LS-Schalter schützt (RCBO)
Der kombinierte Schalter im Kasten heißt in der Fachsprache "RCBO" (Residual Current Breaker with Overcurrent). Er vereint zwei lebenswichtige Schutzmechanismen in einem einzigen Bauteil:
1. Der FI-Teil (Fehlerstrom-Schutz / Personenschutz)
Auf dem FI steht meist "IΔn 30mA" (ausgesprochen: 30 Milliampere). Er ist der Buchhalter der Symmetrie des Stromkreises: "Ist die Strommenge, die die Phase (L) gerade durch das Gerät ballert exakt gleich der Strommenge, die das blaue Kabel (N) für den Kreis bereitstellt?"
Wie bei einem geschlossenen Zugband über eine Kurbel müssen bei 10 Ampere am Zug-Rad (L) exakt dieselben 10 Ampere am Mitlauf-Rad (N) ankommen. Ein Defekt (z.B. defektes Kabel berührt dein Blechgehäuse und 0,03 Ampere fließen in die Erde/den PE ab anstatt in das blaue Kabel) bedeutet "Asymmetrie im Seil" (Verlust). Der FI schlägt Alarm und trennt in Sekundenbruchteilen die Stromzufuhr. 30 mA ist die normierte Schutzschwelle: Ströme ab dieser Größenordnung können (je nach Dauer und Herzphase) bereits Herzkammerflimmern auslösen. Der FI schaltet deshalb spätestens bei 30 mA ab, um genau das zu verhindern.
2. Der LS-Teil (Leitungsschutzschutz / Kabelschutz)
Auf eurem Eaton-Schalter steht "B/003-A" und "PKPM2-13". Die 13 steht für exakt 13 Ampere Überlastschutz (mit B-Charakteristik). Das ist für Camper der absolute Sweet Spot! Warum? 16A ist oft zu viel (da fliegt meist eher die billige Platzsicherung auf dem Campingplatz raus, und du suchst im Dunkeln den Platzwart). 10A ist oft zu wenig, wenn die Frau föhnt und die Kaffeemaschine läuft. Eure 13A (das sind ca. 2.990 Watt) sind perfekt.
Wenn du im Camper den Toaster, Staubsauger und den dicken Heizlüfter gleichzeitig anmachst, ziehst du über 13 Ampere. Das würde dazu führen, dass die Kabel in eurer Wand glühend heiß werden und der Bus brennt. Euer LS-Schalter merkt das oder erkennt einen Kurzschluss (L berührt N direkt) und knallt sofort raus.
3. "Typ A" und echte 2-Poligkeit (Das Schaltbild auf eurem Gerät)
Auf eurem Eaton seht ihr in der Modellnummer das -A. Es bedeutet, es ist ein teurerer FI vom Typ A. Er erkennt nicht nur normale Wechselstrom-Fehler, sondern auch Fehler von Geräten mit modernen, pulsierenden Netzteilen (wie eurem dicken Schaudt EBL 208 S oder Laptop-Ladegeräten), die winzige Gleichstrom-Fehler ins Netz pfeffern können. Billige FIs vom Baumarkt wachen da oft nicht auf!
Das kleine eckige Schaltbild mitten auf eurem Schalter beweist zudem: Er ist echt 2-polig! Auf beiden Linien ("1 zu 2" und "3 zu 4") sind das kleine Halboval (steht für den Magnetischen Auslöser bei Kurzschluss) und das eckige Kästchen (Bimetallauslöser bei Hitze/Überlast) gezeichnet. Er überwacht beide Wege gleichermaßen. Das ist höchste Sicherheit.
Warum muss der Schalter 2-polig sein ("Allpolig trennend")?
Zuhause schalten Sicherungen oft nur die Phase (L) ab. Das ist okay, weil das Haus fest verkabelt ist und der Elektriker L und N nie vertauscht (hoffentlich). Im Camper steckst du dich aber ständig an neuen Stromquellen (Campingplätze im tiefsten Süden Europas, dubiose Verteiler) an. Du hast absolut keine Garantie, dass auf dem Platz nicht "rechts = Phase" auf "links = Phase" verdreht wurde.
Würde deine Sicherung jetzt bei einem Fehler nur den L-Kontakt kappen (der aber fälschlicherweise auf dem ungeschalteten N-Pol vom Campingplatz liegt), bliebe die tödliche Phase weiterhin aktiv an deinen Geräten anliegen! Deshalb muss ein Camper-FI/LS immer "zweipolig" sein – er fungiert wie eine Guillotine für beide Leitungen (L und N) gleichzeitig. Wenn die Sicherung draußen ist, ist garantiert Ruhe.
2. Was wir brauchen (Die Komponenten)
Für unsere Installation gemäß DIN VDE 0100-721 (welche TÜV / Prüfer sehen wollen) benötigen wir:
- CEE-Außensteckdose: (blau, 3-polig, 16A, mind. IP44 wetterfest) für die Karosserie außen.
- Gummi-Kabel H07RN-F 3G2,5 mm²: Das ist vorgeschrieben für die feste Verlegung von der CEE-Dose bis zum FI/LS-Schutzschalter! Das "3G2,5" steht für 3 Adern (L, N, PE) mit jeweils 2,5 mm² Leitungsquerschnitt.
- Kleinverteiler (Sicherungskasten): Aufputz, mind. Schutzklasse IP44. Er beherbergt die Sicherung und die Erdungsschiene (Potenzialausgleichsschiene).
- FI/LS-Schutzschalter (RCBO): Ein Kombigerät für Personen- und Leitungsschutz. Ihr habt hier ein absolutes Premium-Modell für Camper: Den Eaton PKPM2-13/2/B/003-A. Wichtigste Daten: Er schaltet echt 2-polig (L und N werden nicht nur getrennt, sondern beide auf Überlast überwacht!), hat 30mA Fehlerstrom-Schutz (Typ A), und einen genialen Leitungsschutz von 13 Ampere (B-Charakteristik).
- Erdekabel (PE): Ein dickes grün-gelbes Kabel (meist 4 mm² oder 6 mm²) mit passendem Ringkabelschuh, um den Verteiler mit der Fahrzeugkarosserie zu verbinden.
- Aderendhülsen & Crimpzange: Feindrähtige Kabel (wie unser H07RN-F) dürfen niemals verschraubt oder verzinnt (gelötet) werden! Die Litzen brechen sonst durch Vibrationen. Wenn Litzen in Schraubklemmen (wie am Eaton FI) kommen, müssen immer Aderendhülsen aufgequetscht werden.
- Abzweigdose & WAGO 221 Klappklemmen: Um nach dem FI/LS den Stromkreis sicher in zwei Pfade (EBL-Dose und Zusatzdose) aufzusplitten. Die WAGO 221 Klemmen (mit den orangenen Hebeln) sind für flexible Litzen ohne Aderendhülsen zugelassen und im Camper-Bau der absolute Goldstandard für sichere Verbindungen.
- Schuko-Steckdosen: Zwei Feuchtraum-Aufputzdosen (mit Klappdeckel), eine fest für den EBL, eine zur freien Nutzung im Camper.
- Schaudt EBL 208 S: Euer Elektroblock. Dieser bekommt dann am Ende den abgesicherten 230V Strom.
3. Der vollständige Schaltplan (Verkabelung im Bus)
Hier seht ihr exakt und detailliert, wie jedes einzelne Kabel vom Landstrom-Eingang durch den Eaton-Sicherungskasten bis hin zum Schaudt EBL 208 S verlaufen muss. Die zweifarbige Linie repräsentiert den lebenswichtigen, grün-gelben Schutzleiter.
Farb-Legende: Phase (L) | Neutralleiter (N) | Schutzleiter (PE)
4. Schritt-für-Schritt: Einbau der CEE-Dose
- Position wählen: Finde einen Ort außen am Blech (meist Fahrerseite), der im direkten Innenbereich nah am Sicherungskasten und am EBL liegt. Kurze Kabelwege sind besser!
- Abkleben und Anzeichnen: Klebe die Außenstelle mit Kreppband ab (schützt den Lack beim Sägen). Markiere die Umrisse des Gehäuses der CEE-Dose und die 4 Montagelöcher.
- Sägen: Bohre mit einem Metallbohrer als Startpunkt für das Sägeblatt in die Ecken. Säge den Ausschnitt mit der Stichsäge (Metallsägeblatt) aus.
- Entgraten und Rostschutz: Feile die scharfen Kanten ab. GANZ WICHTIG: Trage großzügig Rostschutzgrundierung und eventuell Lack auf die Schnittkanten auf. Trocknen lassen!
- Holzrahmen für innen (Pro-Tipp): Schneide dir aus einem Stück Multiplex-Holz einen Rahmen, der von innen gegen das Blech drückt. Camper-Blech ist dünn; wenn du später den schweren CEE-Stecker andrückst, biegt sich sonst das Blech nach innen.
- Dichten und Verschrauben: Trage ringförmig dick Dekalin Dekaseal (abtupfbare Dichtmasse, kein Kleber wie Sikaflex!) auf die CEE-Dose auf. Setze sie ein, drücke von innen den Holzrahmen dagegen und verschraube alles durch die 4 Löcher fest miteinander. Überstehende Dichtmasse kannst du am nächsten Tag einfach abtupfen.
5. Das Kabel zum FI/LS Verteiler (Die Zuleitung)
Vom CEE-Eingang darf nur genau ein Kabel (H07RN-F 3G2,5 mm²) direkt in den naheliegenden Sicherungskasten (Kleinverteiler) laufen. Keine Abzweigungen davor!
- Setze das Kabel innen auf die Kontakte der CEE-Dose. Achte auf die Beschriftungen (L = Braun, N = Blau, Erde-Symbol = Grün-Gelb). Nutze Aderendhülsen für die Kabelenden!
- Sorge für eine Zugentlastung: Klemme das Kabel direkt hinter der CEE-Dose mit einer Kabelschelle fest, damit Zug von außen nicht die Kabel aus den Klemmen zieht.
- Führe das Kabel in einem Leerrohr getrennt von jeglichen 12V-Kabeln in den Kleinverteiler.
6. Der Sicherungskasten und die Karosserie-Erdung
Das ist der wichtigste Teil für eure Sicherheit.
- Einspeisung am FI/LS: Im Kleinverteiler führst du das braune (L) und das blaue (N) Kabel oben in die Eingänge des FI/LS-Schalters. Der FI/LS ist beschriftet, wo L und N hineingehören.
- Karosserie-Erdung (Der Lebensretter!):
Der grün-gelbe Schutzleiter (PE) von der CEE-Dose kommt NICHT in den FI/LS-Schalter! Er wird an die PE-Klemmschiene (Potenzialausgleichsschiene) des Kleinverteilers angeschlossen.
Die VDE schreibt vor: Von dieser PE-Schiene musst du ein separates, dickes grün-gelbes Kabel (mind. 4mm²) zu einem blanken Massepunkt der Fahrzeugkarosserie (Fahrzeuggestell) ziehen. Presse einen Ringkabelschuh auf, schleife ein winziges bisschen Lack am Massebolzen weg und schraube es fest. Nur so löst der FI-Schalter aus, wenn ein defektes 230V Kabel die Blechkarosserie eurer Karosserie berührt!
7. Strom vom FI/LS splitten (Abzweigdosen & Steckdosen)
Der Strom, der nun am unteren Ende (Ausgang) des FI/LS-Schalters herauskommt, ist sicher, abgesichert und überwacht. Wir bauen nun eine Abzweigung, um sowohl den EBL als auch eine zweite, frei nutzbare Schuko-Steckdose (230V) zu versorgen.
Nein! Euer Eaton FI/LS-Schalter sichert bereits das gesamte Netzwerk nach ihm ab. Da euer Eaton RCBO schon bei 13 Ampere sanft auslöst, ist eine Überlastung der Steckdosen (die für 16A gebaut sind) völlig unmöglich. Ein einziger RCBO reicht für diesen gesamten 230V-Zweig im Bulli perfekt aus.
⚠️ Worauf bei der Abzweigung UNBEDINGT geachtet werden muss:
- Flexible Kabel (Litzen): Im Camper dürfen wegen der ständigen Vibrationen niemals feste Kupferkabel (wie NYM-J Hauskabel) verlegt werden. Ein starres Kabel bricht irgendwann während der Fahrt -> Lebensgefahr durch offenes 230V Kabel! Verwendet immer Gummileitungen (H05VV-F 3G1,5 oder H07RN-F 3G1,5 mm²).
- Die WAGO 221 Falle (Lüsterklemmen-Verbot!): Klassische billige Schraub-Lüsterklemmen zerquetschen die feinen Litzen der Gummikabel und rütteln sich locker (Brandgefahr). Die einzige zugelassene und sichere DIY-Methode im Camper ist die WAGO 221 Serie (Klappklemmen mit orangenen Hebeln). Sie ist normgerecht für den direkten Anschluss von blanken, flexiblen Litzen (ohne Aderendhülsen!) zugelassen.
- Berührungsschutz & Zugentlastung: Alle WAGO-Klemmen müssen zwingend in eine geschlossene Kunststoff-Abzweigdose (IP44). Die Kabel dürfen sich bei Zug von außen nicht aus den Klemmen lösen können. Die Abzweigdose muss daher Zugentlastungen an den Ein- und Ausgängen besitzen (oder durch enge Gummi-Nippel die Kabel so festklemmen, dass sie rutschfest sitzen).
- Trennung von 12V: 230V-Kabel dürfen nicht gemeinsam mit 12V-Kabeln in der gleichen Abzweigdose oder im gleichen Installationsrohr verlegt werden. Die Isolierung der 12V-Kabel ist oft nicht für die Nähe zu 230V-Adern ausgelegt!
- Kabel vom Sicherungskasten zur Abzweigdose: Nimm ein flexibles Leitungskabel (3G1,5 mm²). Schließe es an den Ausgängen des FI/LS an (Braun an L, Blau an N). Nutze hier Aderendhülsen, da der FI/LS geschraubt ist! Das grün-gelbe (PE) Kabel kommt auf die geerdete Verteilerschiene im Kleinverteiler.
- In der Abzweigdose - Das Splitten: Das Kabel aus dem Sicherungskasten führst du durch die Zugentlastung in die Abzweigdose. Du nimmst nun drei Stück 3-fach WAGO 221 Klemmen:
- Klemme 1 (Farbe Phase): Hier steckst du das braune L-Kabel vom Sicherungskasten rein.
- Klemme 2 (Farbe Neutral): Hier kommt das blaue N-Kabel rein.
- Klemme 3 (Farbe Erde): Hier kommt das grün-gelbe PE-Kabel rein. - Kabel zu den Steckdosen ziehen: Von der Abzweigdose legst du nun je ein Kabel (3G1,5 mm²) zur gewünschten Position von Steckdose 1 (EBL) und Steckdose 2 (Freizeitnutzung).
- Verdrahtung der Steckdosen-Kabel in der Abzweigdose:
- Die beiden neuen braunen Litzen der Steckdosen klickst du mit in WAGO Klemme 1 (L).
- Die blauen klickst du in WAGO Klemme 2 (N).
- Die grün-gelben in WAGO Klemme 3 (PE).
Schließe die Dose fest. - Schukosteckdosen anschließen: An den Steckdosen (am besten Feuchtraumdosen mit Klappdeckel) schließt du nun die Kabelenden an.
- Grün-Gelb (PE) kommt ZWINGEND auf den mittleren Erdungskontakt (die Metallklammern am Rand der Schukodose).
- Braun (L) und Blau (N) kommen in die seitlichen Steckkontakte (für Geräte ist L oder N rechts herum bei Schuko ohnehin völlig egal). - Der 230V-Eingang am EBL 208 S nutzt ein übliches Kaltgerätekabel, das auf einen normalen Schuko-Stecker endet. Stecke diese Leitung in den EBL und den Stecker einfach in Steckdose 1.
- Fertig! Steckdose 2 ist nun frei an der Wand eures Campers nutzbar für Laptops oder Küchengeräte.
8. Der wichtigste Test (Inbetriebnahme)
Wenn alles verdrahtet ist und alle Abdeckungen am Sicherungskasten und der CEE-Dose geschlossen sind, führst du den FI-Test durch.
- Kurzschluss- und Lebensgefahr ausschließen: Stelle sicher, dass im Camper alle 230V-Kabelenden fest angeschlossen sind oder sicher in geschlossenen Abzweigdosen liegen. Es dürfen keine offenen Kupferlitzen (z.B. von noch nicht fertig montierten Steckdosen) ungeschützt herumhängen, da diese beim Einstecken draußen plötzlich unter tödlicher Spannung stehen würden!
- Schalte den FI/LS-Schalter auf AUS (0 / Unten).
- Verbinde dein 25m CEE-Gummikabel mit der Campingplatz-Steckdose und stecke es draußen an deinen Camper an.
- Schalte den FI/LS-Schalter auf EIN (I / Oben).
- TEST 1 (Mechanik): Drücke die kleine Test-Taste (oft mit "T" markiert) direkt auf deinem FI/LS-Schalter.
- Er MUSS sofort klackend nach unten auf "AUS" springen! Das simuliert intern einen Fehlerstrom. Der Schalter beweist damit, dass seine Abschaltmechanik nicht verklemmt ist. Schalte ihn danach wieder auf "EIN".
- TEST 2 (Steckdosentester – sehr empfohlen!): Besorge dir einen günstigen Steckdosentester (ca. 10-15€ im Baumarkt). Dieser wird einfach in deine fertigen Schuko-Steckdosen im Camper gesteckt. Über drei kleine LED-Lämpchen zeigt er dir sofort narrensicher an, ob:
- Der Schutzleiter (PE) wirklich korrekt verbunden ist (wichtigster Punkt!).
- Phase und Neutralleiter an den richtigen Polen anliegen.
- Keine unzulässigen Kabelbrücken existieren.
- TEST 3 (Multimeter / Durchgangsprüfung): Diesen Test macht man zwingend VOR dem Einstecken des Landstroms (komplett stromlos!). Nutze ein Multimeter (auf "Piepser" / Durchgang stellen). Halte eine Messspitze an den dicken Erdungs-Pin deiner blauen CEE-Außensteckdose und die andere Messspitze an eine blanke Metallstelle deiner Camper-Karosserie (z.B. das Türschlossblech). Es muss piepsen! Piepst es nicht, hat deine Karosserie keine Erdung und der FI ist im Ernstfall nutzlos.
- Der Profi-Test (Isolationsmessung): Eine Elektrofachkraft nutzt ein spezielles Messgerät, ein sogenanntes Isolationsmessgerät (oft als Megohmmeter oder Teil eines VDE 0100 Installationstesters, z.B. von Fluke oder Benning, bekannt). Dabei werden z.B. 500 Volt Prüfspannung durch die stromlosen Leitungen geschickt, um den Widerstand der Isolierung zu testen. Der Fehler eines potenziellen "Kriechstroms" entsteht nämlich nicht nur durch scharfe Blechkanten! Er kann auch entstehen durch:
- Eingequetschte Kabel: Eine Holzplatte oder Schraube beim Möbelbau hat das Kabel gequetscht, aber noch nicht komplett durchtrennt.
- Feuchtigkeit/Kondenswasser: Kriechwege in Abzweigdosen oder an Klemmen durch hohe Luftfeuchtigkeit im Camper.
- Verschmorte Isolierung: Durch lockere Schraubklemmen wurde es heiß und die Kabelhülle ist weggeschmolzen.
DIY / Budget-Tipp: Die großen VDE-Multitester kosten über 1.000€. Du kannst die Kabel im Bulli aber auch selbst mit einem günstigen, reinen Isolationsmessgerät (wie dem Voltcraft ET-100 für ca. 100€) auf Kurzschlüsse und Quetschungen prüfen. Für den echten TÜV-Stempel (Prüfprotokoll) fährst du am Ende einfach zu einem lokalen Elektriker. Da du alles vorgetestet hast, braucht er nur 10 Minuten, um sein kalibriertes Profigerät anzustecken und dir das Papier auszudrucken. - Wenn die Heim-Tests (1 bis 3) bestanden sind, steht die Sicherheit. Der EBL 208 S sollte nun auch laden.